18.02.2016

Bierbrauen wie im Altertum

18.02.2016

Bierbrauen wie im Altertum

Am Stiegl-Gut Wildshut, dem 1. Biergut Österreichs, widmet sich Brauerei-Eigentümer Heinrich Dieter Kiener mit seinem Chefbraumeister Christian Pöpperl einem spannenden und außergewöhnlichen Bier-Projekt.  In Tongefäßen, sogenannten Quevris, wird dort ein „Urbier“ wie bei den Sumerern vor 5000 Jahren aus alten Getreidesorten gebraut, jedoch ohne Hopfen, dafür mit Datteln, Akazienhonig, Schafgarbe, Anis, Koriander und Safran verfeinert. „Es war das Experiment des Lebens", sagt Pöpperl, denn er wusste bis zum Verkostungstag nicht, wie das Urbier schmecken würde. Bräu Kiener ist von Pöpperls Versuch geschmacklich überaus begeistert. Abgefüllt wird das Stiegl-Urbier (19,5° Stammwürze, 9,5 Vol. Prozent Alkohol) stilecht in nummerierten Tonflaschen mit Bügelverschluss. Wer es probieren will, muss schnell sein, denn von diesem „historischen Gebräu“ werden nur 3.400 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt. Zu haben ist es um 21,90 Euro am Stiegl-Gut Wildshut, in den Stiegl-Shops in Salzburg und in Wien sowie in ausgewählten „Craft Bier“-Stores.

 „Stiegl ist die einzige Brauerei in Europa und vermutlich auch weltweit, die Tongefäße für die Herstellung von Bier verwendet“, weiß Quevris-Experte Hans Peter Schaub, der die Tongefäße für die Privatbrauerei organisierte. Die vier Quevris mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1000 Litern wurden von einer Familie in den Bergen von Imeretien (Georgien) gefertigt und kamen auf abenteuerlichen Wegen - dank Schaub - nach Wildshut. Am Gut Wildshut, der Ideenschmiede rund ums Bier, wurden vier händisch herstellte Quevris im vergangenen Jahr bis zum Hals im Boden vergraben.

„Das Vergraben hatte den Sinn, die Maische vor Frost zu schützen. Außerdem herrschen im Boden konstant kühle Temperaturen“, so Chefbraumeister Christian Pöpperl. Dass die Quevris im September 2015 befüllt und das Bier jetzt im April verkostet wird, hat aber auch einen brau-geschichtlichen Hintergrund, erklärt DDr. Gerhard Ammerer, Historiker und Leiter des Zentrums für Gastrosophie: „Das Braujahr erstreckte sich früher zwischen den Feiertagen zweier Heiliger - von Michaeli am 29. September bis zu Georgi am 23. April. In der restlichen Zeit des Jahres hätten die hohen Temperaturen dem wärmeempfindlichen Bier zu stark zugesetzt. Passende Kühlgeräte waren noch nicht erfunden und so konnte erst mit Beginn Oktober die Herstellung des goldenen Hopfensaftes wieder aufgenommen werden.“ Außerdem war der 23. April heuer ein ganz besonderer Tag: Gefeiert wurde nämlich auch das 500-Jahre-Jubiläum des bayerischen Reinheitsgebotes. „Da kommt ein Bier, das wie vor 5000 Jahren gebraut wurde, gerade recht“, schmunzelt Brauerei-Chef Kiener.

Abgefüllt wird das Stiegl-Urbier (19,5° Stammwürze, 9,5 Vol. Prozent Alkohol) stilecht in nummerierten Tonflaschen mit Bügelverschluss. Wer es probieren will, muss schnell sein, denn von diesem „historischen Gebräu“ werden nur 3.400 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt.